Lerntechniken Steuerberaterprüfung

Lerntechniken gezielt einsetzen

Ein Beitrag von Nils Schmidt, LL.M.

Es gibt eine Vielzahl an Lerntechniken, die sich in ihrer Herangehensweise unterscheiden. Manche Methoden setzen auf Wiederholung und Struktur, andere auf Visualisierung oder aktives Anwenden des Wissens. Wichtig ist, verschiedene Techniken auszuprobieren und zu kombinieren, um den eigenen Lernprozess zu optimieren. Um den eigenen Lerntyp zu erkennen, werden in den folgenden Abschnitten ausgewählte Methoden kurz vorgestellt und deren Anwendbarkeit im Steuerrecht nach meiner Einschätzung analysiert.

1. Verständnisorientiertes Lernen („Deep Learning Approach“)

1.1 Allgemeines

Der Deep Learning Approach beschreibt einen Lernansatz, bei dem der Fokus auf dem Verständnis von Inhalten und deren Zusammenhängen liegt. Ziel ist ein Konzeptverständnis, statt Reproduktion. Im Gegensatz zum reinen Auswendiglernen setzen sich Lernende aktiv mit dem Lernstoff auseinander, hinterfragen Inhalte kritisch und verknüpfen neues Wissen mit bereits vorhandenem Wissen. Ziel ist es, ein tiefgreifendes Verständnis der zugrunde liegenden Prinzipien und Strukturen zu entwickeln. Dadurch kann Wissen langfristig gespeichert und flexibel auf neue Problemstellungen übertragen werden.

1.2 Anwendbarkeit im Steuerrecht

Im Steuerrecht ist ein verständnisorientierter Lernansatz von besonderer Bedeutung, da steuerrechtliche Fragestellungen häufig nicht durch die bloße Wiedergabe einzelner Normen gelöst werden können. Vielmehr erfordert die Bearbeitung von Fällen ein Verständnis der Systematik sowie der Zusammenhänge zwischen verschiedenen Rechtsgebieten und Vorschriften. Wer die Hintergründe und Zwecke steuerlicher Regelungen versteht, kann auch unbekannte Sachverhalte methodisch korrekt analysieren und lösen. Der Deep Learning Approach fördert damit die Fähigkeit, Wissen auf neue Fallkonstellationen zu übertragen und eignet sich insbesondere für die langfristige Vorbereitung auf anspruchsvolle steuerrechtliche Tätigkeiten und Prüfungen. In der Vorbereitung auf das Steuerberaterexamen kommt diese Lernmethode jedoch an ihre Grenzen, da die Stoffmenge eine vollständige Durchdringung sämtlicher Themengebiete erschwert. Der Deep Learning Approach kann jedoch genutzt werden, um punktuell Wissenslücken zu schließen und eignet sich daher sehr gut als Erweiterung zu anderen Lerntechniken.

2. Visualisierung („Dual-Coding-Theorie“)

2.1 Allgemeines

Die Dual-Coding-Theorie in Form von Visualisierungen kann bspw. durch Mindmaps eingesetzt werden. Mindmaps sind Darstellungen, die helfen, komplexe Themen übersichtlich zu strukturieren. In der Mitte steht das Hauptthema, von dem aus Unterthemen in Ästen angeordnet werden. Durch Farben, Symbole und Querverbindungen wird das Verständnis gefördert und das Lernen aktiver gestaltet. Mindmaps unterstützen vor allem das vernetzte Denken durch den lernpsychologischen Effekt der Dual-Coding-Theorie und sind ideal, um Zusammenhänge schnell und auf einen Blick zu erfassen.

2.2 Anwendbarkeit im Steuerrecht

Im Steuerrecht eignen sich Mindmaps besonders gut, um Überthemen und systematische Zusammenhänge darzustellen. Sie helfen, Strukturen und Abhängigkeiten sichtbar zu machen und erleichtern so das Verständnis des Gesamtsystems. Schwieriger ist es jedoch, mithilfe von Mindmaps konkrete Fallgestaltungen oder die Auswirkungen von Änderungen in Sachverhalten abzubilden. Für dynamische und detailreiche rechtliche Prüfungen stößt diese Methode daher an ihre Grenzen. Mindmaps eignen sich daher regelmäßig nur um Überthemen darzustellen, beispielsweise um sich kurzfristig Themen ins Gedächtnis zu rufen. Sie können als Erweiterung dienen, eignen sich im Steuerrecht jedoch nicht als alleinstehende Lernmethode.

3. Zusammenfassungen

3.1 Allgemeines

Das Erstellen von Zusammenfassungen ist eine klassische und sehr wirkungsvolle Lerntechnik. Durch das eigene Formulieren des Gelernten wird das Verständnis vertieft und die wichtigsten Inhalte werden herausgefiltert. Dabei wird nicht einfach abgeschrieben, sondern der Lerninhalt in eigenen Worten wiedergegeben. Eine gute Zusammenfassung erleichtert später das Wiederholen und dient als kompaktes Nachschlagewerk.

3.2 Anwendbarkeit im Steuerrecht

Das Erstellen von Zusammenfassungen ist auch im Steuerrecht eine sinnvolle Lernmethode. Dieser Prozess fördert das Verständnis komplexer Sachverhalte und erleichtert die spätere Anwendung im Fallkontext. Besonders hilfreich ist es, große Themengebiete auf wesentliche Aussagen zu verdichten, um so schneller den Kern eines Sachverhalts zu erkennen und das Wissen in der Klausur anwenden zu können. Beim tatsächlichen Lernen anhand dieser Methode ist es jedoch schwierig, den Lernstoff angemessen zu kategorisieren. Dadurch erhalten einfache und bereits verinnerlichte Inhalte oft denselben Raum wie komplexe und erklärungsbedürftige Themen. Dies führt dazu, dass beim Durcharbeiten der Zusammenfassungen nicht zwischen unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden differenziert wird. In der Folge beschränkt sich das Lernen häufig auf das bloße Lesen der Inhalte, ohne dass eine aktive Auseinandersetzung oder Wiederholung im eigentlichen Sinne stattfindet. Eine Optimierung der Lernmethode kann erfolgen, indem die Zusammenfassung als dynamisch betrachtet wird. Hierbei bleiben immer nur die wichtigsten Inhalte Teil der Zusammenfassung.

4. Fallsammlungen

4.1 Allgemeines

Das Arbeiten mit eigenen Fallsammlungen ist eine besonders klausurorientierte Lerntechnik. Dabei werden theoretische Inhalte in selbst erstellte Fälle übertragen, die anschließend wie in einer Musterlösung bearbeitet werden. Durch das eigenständige Konstruieren und Lösen solcher Fälle wird das Verständnis vertieft. Diese Methode eignet sich vor allem für komplexe Fachgebiete, in denen das Anwenden von Wissen auf konkrete Situationen entscheidend ist.

4.2 Anwendbarkeit im Steuerrecht

Fallsammlungen sind im Steuerrecht eine äußerst effektive, wenn auch arbeitsintensive Lerntechnik. Durch das Konstruieren eigener Fälle und das Erarbeiten von Musterlösungen wird das theoretische Wissen aktiv angewendet. Dabei können gezielt unterschiedliche Sachverhaltsvarianten durchgespielt und deren steuerliche Konsequenzen analysiert werden. Diese Methode schult nicht nur das Verständnis für die Systematik des Steuerrechts, sondern fördert auch die Fähigkeit, komplexe Problemstellungen eigenständig zu lösen. Problematisch bzw. an ihre Grenzen stößt diese Lernmethode jedoch insofern, als sie mit einem erheblichen Zeit- und Arbeitsaufwand verbunden ist. Insbesondere das Erstellen von Abwandlungen und den dazugehörigen Musterlösungen ist sehr umfangreich und erfordert auch in der Wiederholung eine intensive Auseinandersetzung mit dem Stoff. Daher eignet sich diese Methode vor allem dazu, schwer verständliche oder komplexe Themengebiete systematisch aufzuarbeiten und zu vertiefen. Sie dient jedoch weniger der Erstellung kompakter Lernhilfen im Vergleich zu Zusammenfassungen oder Mindmaps, die einen schnellen Überblick ermöglichen. Der Nutzen liegt vor allem darin, durch die eigenständige Fallgestaltung zu erkennen, welche Änderungen im Sachverhalt zu abweichenden rechtlichen Lösungen führen. Fallsammlungen können als Vorstufe zu (Kurz-)Klausuren genutzt werden.

5. Digitale Karteikarten

5.1 Allgemeines

Digitale Karteikarten sind eine moderne Variante des klassischen Lernsystems. Mit Apps wie Anki oder Quizlet lassen sich Lerninhalte flexibel erstellen, individuell anpassen und jederzeit wiederholen. Viele Programme nutzen dabei automatisierte Lernalgorithmen, die den Wissensstand analysieren und Wiederholungen gezielt steuern. Dadurch kann der Lernprozess effizienter und langfristig erfolgreicher gestaltet werden. Die Verantwortung dafür, wann welcher Inhalt wiederholt wird, wird auf den Algorithmus übertragen, wodurch sich ein eigener Lernplan weitgehend erübrigt. Das Arbeiten mit digitalen Karteikarten basiert auf folgenden lernpsychologischen Effekten:

5.1.1 Active Recall

Active Recall bezeichnet das aktive Abrufen von Wissen aus dem Gedächtnis. Anstatt den Lernstoff lediglich zu lesen oder zu markieren, werden gezielt Fragen formuliert oder Selbsttests durchgeführt. Dieser Prozess stärkt die neuronalen Verbindungen und verbessert die langfristige Erinnerung deutlich effektiver als passives Wiederholen.

5.1.2 Spaced Repetition

Spaced Repetition, also das „verteilte Wiederholen“, ist eine Methode, bei der Lerninhalte in zeitlich zunehmenden Abständen wiederholt werden. Dadurch wird das Gelernte immer dann erneut aktiviert, wenn es kurz davor ist, vergessen zu werden. Dieser Ansatz nutzt die Funktionsweise des Gedächtnisses optimal aus und fördert nachhaltiges Lernen. Digitale Karteikartenprogramme setzen dieses Prinzip oft automatisch um und passen die Wiederholungsintervalle individuell an. Dadurch werden die Inhalte so kategorisiert, dass sie weder zu häufig angezeigt werden, wodurch Zeit verschwendet würde, noch zu selten, sodass das Wissen verloren ginge.

5.1.3 Interleaving

Interleaving bedeutet, verschiedene Themen oder Aufgabentypen abwechselnd zu lernen, anstatt sich jeweils nur auf ein Thema zu konzentrieren. Durch das Mischen von Inhalten wird das Gehirn gezwungen, zwischen unterschiedlichen Konzepten zu wechseln und Verbindungen herzustellen. Diese Technik steigert das Verständnis und die Fähigkeit, Wissen flexibel anzuwenden. Besonders bei komplexen Lerninhalten kann Interleaving die Lernleistung deutlich verbessern.

5.2 Phasen der Karteikarten

Der Lernprozess mit Karteikarten lässt sich in mehrere Phasen unterteilen, die jeweils unterschiedliche Funktionen im Aufbau und in der Festigung des Wissens erfüllen.

In der Erstellungsphase werden die Karteikarten erstmals angelegt. Dabei wird der Lernstoff in eigene Worte gefasst und in Form von Fragen und Antworten strukturiert. Dieser Prozess fördert das aktive Auseinandersetzen mit dem Inhalt und trägt wesentlich zum Verständnis der Thematik bei, da komplexe Sachverhalte durch die feste Struktur aus Frage und Antwort vereinfacht wiedergegeben werden müssen.

Die Einarbeitungsphase (≈ Woche 1) beschreibt den Zeitpunkt, an dem die Karteikarten erstmals in das digitale Lernsystem eingesetzt werden. Diese Phase dient vor allem der ersten Festigung des erlernten Wissens und stellt sicher, dass die Inhalte aktiv im Gedächtnis verankert werden.

In der Lernphase (≈ Woche 2-5) werden die Karteikarten in kürzeren Abständen wiederholt. Ziel ist es, das zuvor verstandene Wissen durch regelmäßiges Abrufen zu festigen und die Erinnerungsleistung zu verbessern. Dabei findet eine intensive Auseinandersetzung mit dem Lernstoff statt, bei der sich Lücken und Unsicherheiten noch gezielt identifizieren und ggf. durch Änderung oder Erweiterung der Karteikarten schließen lassen.

Die Wiederholungsphase (≈ Woche 6-X) schließlich dient der langfristigen Sicherung des bereits verinnerlichten Wissens. Die Karteikarten werden nun in größeren zeitlichen Abständen angezeigt, sodass das Gelernte regelmäßig ins Gedächtnis gerufen, aber nicht mehr vollständig neu erarbeitet werden muss. Diese Phase zielt auf die nachhaltige Verankerung des Wissens im Langzeitgedächtnis ab.

5.3 Anwendungsbereich im Steuerrecht

Digitale Karteikarten bieten im Steuerrecht eine flexible Möglichkeit, Lerninhalte systematisch zu erfassen, zu wiederholen und zu vertiefen. Sie können auf unterschiedliche Weise gestaltet werden – je nachdem, ob es um reines Faktenwissen, Anwendungshinweise oder die Strukturierung von Prüfungsabläufen geht. Durch den Einsatz von Karteikarten lassen sich auch komplexe Inhalte in „Micro-Klausuren“ unterteilen, wodurch die Bearbeitung von Klausuraufgaben gezielt trainiert wird. Im Folgenden werden die wichtigsten Arten von Karteikarten vorgestellt und ihr Nutzen im steuerrechtlichen Lernkontext erläutert.

5.3.1 Arten von Karteikarten

5.3.1.1 Lern-Karteikarten

Lern-Karteikarten sind die klassische Form und dienen in erster Linie der Stoffvermittlung. Sie bestehen aus einer Frage und der dazugehörigen Antwort und eignen sich besonders zum Einprägen von Definitionen oder Rechtsfolgen. Diese sollen nicht die Arbeit mit dem Gesetz ersetzen, sondern gezielt Problembereiche beleuchten. Die Erarbeitung der Lern-Karteikarten ist dem Verfassen von Zusammenfassungen zu vergleichen, da der Lerninhalt in eigenen Worten wiedergegeben werden muss. Diese Art von Karteikarten ist insbesondere beim Lernen von Grundlagen und Zusammenhängen hilfreich, um den Stoff zu verstehen und zu verinnerlichen.

Frage: Definition erweiterte Außenhaftung.
Antwort: Differenz zwischen Hafteinlage und geleisteter Einlage § 15a Abs. 1 S. 2 EStG (Verlustabzug unter Voraussetzungen des § 15a Abs. 1 S. 3 EStG).

5.3.1.2 Signal-Karteikarten

Signal-Karteikarten enthalten Schlagworte oder Stichpunkte, die in Aufgabentexten von Klausuren oder Fällen als Auslöser für bestimmte Lösungsansätze dienen. Sie helfen dabei, bei der Fallbearbeitung die richtigen Prüfungsschritte oder relevanten Normen schnell zu erkennen. Solche Karteikarten dienen der Verknüpfung:

  • von Signalwörtern in Sachverhalten mit den entsprechenden Lösungsschritten und
  • von einzelnen Rechtsnormen mit Auswirkungen auf andere Rechtsgebiete. 

Diese Art von Karteikarten ist insbesondere im Hinblick auf die Klausurbearbeitung hilfreich.

Frage: Ein Gesellschafter verkauft Anteile an einer GmbH.
Antwort: Hinweis auf § 17 EStG sowie ggf. ergänzende Prüfung des § 8c KStG auf Ebene der Kapitalgesellschaft.

5.3.1.3 Übersicht-Karteikarten

Übersichtskarteikarten dienen weniger der Wissensvermittlung als vielmehr der Darstellung von Strukturen, Prüfschemata oder Fundstellen. Sie sind besonders hilfreich, um bei der Lösung komplexer Fälle einen klaren Ablauf oder eine gedankliche Systematik bereitzuhalten. Solche Karteikarten bringen in Klausuren zwar keine direkten Punkte, unterstützen jedoch den logischen Aufbau und die strukturierte Darstellung von Bearbeitungen.

Frage: Ablauf der Prüfung des Erfolgs eines Einspruchs.
Antwort: 1. Prüfung der Zulässigkeit, 2. Prüfung der Begründetheit.

5.3.2 Stoffvermittlung vs. Klausurenphase

5.3.2.1 Stoffvermittlung

Im Rahmen der Stoffvermittlung steht die Wissensvermittlung im Vordergrund. Skripte und Vorlesungsinhalte werden in kleinere thematische Einheiten zerlegt und in Form von Lern-Karteikarten festgehalten. Dadurch entstehen oft sehr viele Karten, die sowohl Grundverständnis als auch Detailwissen abdecken. Ziel ist es, den gesamten Stoff systematisch aufzu-bauen und zu festigen. Es entsteht eine Datenbank an Wissen.

5.3.2.2 Klausurenphase

In der Klausurenphase verändert sich der Fokus deutlich. Lern-Karteikarten zur Stoffvermittlung sind häufig zu umfangreich und zeitintensiv, weshalb sie durch gezieltere Karteikarten ersetzt werden sollten. Der Schwerpunkt liegt nun auf Signal-Karteikarten, die helfen, Fehler aus den geschriebenen Klausuren und Übungsaufgaben gezielt zu vermeiden. So werden vor allem die eigenen Schwachstellen trainiert und das vorhandene Wissen für die Anwendung in Prüfungssituationen geschärft. In allen Phasen der Karteikarten werden die eingearbeiteten Fehler mit dem lernpsychologischen Effekt des Interleaving kombiniert, wodurch Verknüpfungen zwischen verschiedenen Steuerarten hergestellt werden, was eine Art „Vogelperspektive“ ermöglicht. Im Verlauf der Examensvorbereitung entsteht eine Datenbank an Fehlern.

5.3.2.3 Gegenüberstellung

Es wird deutlich, dass in der Stoffvermittlung vor allem Lern-Karteikarten eingesetzt werden, da hier die Wissensvermittlung und der systematische Aufbau des Grundlagenverständnisses im Vordergrund stehen. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass grundlegendes Wissen erlernt, durch regelmäßige Wiederholung langfristig gefestigt und in den Klausuren abgerufen werden kann. Durch den fortlaufenden Einsatz der Karteikarten bleibt das erarbeitete Wissen auch nach den Klausuren über einen längeren Zeitraum hinweg präsent. Dadurch kann in der Klausurenphase auf ein bereits gefestigtes Wissen zurückgegriffen werden, was eine erhebliche Zeitersparnis ermöglicht, da der Fokus dann auf der gezielten Bearbeitung individueller Schwachstellen gelegt werden kann. Es erfolgt somit bereits während der Stoffvermittlung eine direkte Vorbereitung auf das Examen.
In der Klausurenphase verschiebt sich der Schwerpunkt von Lern-Karteikarten hin zu Signal-Karteikarten. Durch die Analyse der geschriebenen Klausuren können wiederkehrende Signalwörter in Sachverhalten und deren Verknüpfung mit den entsprechenden Lösungsschritten in die Karteikarten eingearbeitet werden. Auf diese Weise wird das Erkennen relevanter Prob-lemfelder trainiert. Dies erleichtert insbesondere die strukturierte Fallbearbeitung in umfangreichen Klausuren.
Gerade für die Vorbereitung auf die Klausur im Bereich der Ertragsteuern kann die Anwendung dieser Methode besonders hilfreich sein, da dort häufig komplexe und vielschichtige Sachverhalte auftreten, die mithilfe solcher Karteikarten effizient analysiert und „zerlegt“ werden können.

6. Zusammenfassung

Die Analyse zeigt, dass sich nicht jede Lerntechnik gleichermaßen für das Steuerrecht eignet. Während Methoden wie die Visualisierung zwar das Erinnern und Strukturieren erleichtern können, stoßen sie in einem normbasierten, anwendungsorientierten Fach schnell an ihre Grenzen. Entscheidend ist, dass im Steuerrecht weniger reines Auswendiglernen, sondern vielmehr das Verstehen und Anwenden von Systematiken und Normzusammenhängen im Vordergrund steht. Zusammenfassungen und das Erstellen eigener Fallsammlungen fördern dieses Verständnis, indem sie komplexe Inhalte aktiv verarbeitet und in praxisnahe Kontexte übertragen werden. Dabei sind Zusammenfassungen effizienter in der Breite, während Fallsammlungen durch die Tiefenanalyse zum Verstehen einzelner Problemfelder hilfreich sind.

Digitale Karteikarten sind besonders gut geeignet, um Wissen zu vermitteln und zu vertiefen, da sie mehrere lernpsychologische Effekte miteinander vereinen. Durch die Prinzipien des Spaced Repetition und Active Recall wird mit jeder Karteikarte eine kleine Prüfungssituation simuliert: Wiederholte Fragen trainieren gezielt das aktive Abrufen von Wissen. In der Klausur führt dies dazu, dass beim Lesen eines Sachverhalts bestimmte Signalwörter erkannt werden und so schneller deutlich wird, was der Aufgabensteller prüfen möchte.

Wichtig ist jedoch zu betonen, dass Karteikarten die Gesetzestexte nicht ersetzen. Die Gesetze bilden die Grundlage des steuerrechtlichen Arbeitens und sollten auch in der Klausur aktiv genutzt werden. Karteikarten dienen vielmehr als ergänzendes Hilfsmittel, um in Prüfungssituationen die richtigen Entscheidungsschritte zu wählen und das Wissen gezielt mit der Gesetzesanwendung zu verknüpfen. Ziel ist es also nicht, Gesetzesinhalte auswendig zu lernen, sondern das Verständnis zu vertiefen und ein strukturiertes Vorgehen im Gesetz zu trainieren.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass durch den Einsatz digitaler Karteikarten die positiven Effekte verschiedener Lernmethoden gebündelt werden. Das Erstellen von Karteikarten ist mit dem Verfassen von Zusammenfassungen vergleichbar, da das Wissen in eigene Worte gefasst und in einer Frage-Antwort-Struktur aufbereitet wird. Zugleich bietet diese Methode den Vorteil, dass durch die algorithmische Kategorisierung einfache Karteikarten seltener und schwierige Inhalte häufiger wiederholt werden, was den Lerneffekt deutlich optimiert. So entstehen kleine, wiederkehrende Lerneinheiten, die durch Active Recall und Spaced Repetition einen optimalen und nachhaltigen Lerneffekt ermöglichen.

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